Haftpflichtversicherungen für Tätowierer

Freund und Kollege, Urban Slamal hat bereits vor einiger Zeit einen Facebook-Beitrag zum Thema Haftpflichtversicherungen auf Facebook verfasst. Diesen habe ich mir gespeichert und bin gerade wieder darüber gestolpert. Ich finde Ihn recht informativ und wollte ihn Euch daher hier noch einmal festhalten.

Zum Thema: Haftpflichtversicherungen für Tätowierer

Nachdem ich in den letzten Tagen mehrfach nach Empfehlungen für eine gute Haftpflichtversicherung für Tätowierer gefragt wurde, dachte ich, ich schreibe mal generell etwas hierzu.

Leider kann ich hier ganz grundsätzlich keine Empfehlung aussprechen. Nicht, dass ich so etwas generell für eine verzichtbare Sache halte, aber meine eigenen Erfahrungen sind insoweit zuweilen wirklich ernüchternd.

Zunächst muss man sich als Tätowierer klar werden, dass eine nicht unerhebliche Anzahl an auftretenden Rechtsstreitigkeiten den Ersatz sogenannter Nacherfüllungsschäden betrifft – solcher Probleme also, bei denen (angeblich) ein mangelhaftes Tattoo gestochen wurde, man sich aber darüber streitet, ob und in wieweit der Tätowierer zu einer Nachbesserung verpflichtet oder berechtigt ist. Derartige Fälle sind aufgrund der Ziffer 1.2 AHB in aller Regel nicht mit versichert – was eine erhebliche Absicherungslücke für Werkunternehmer mit sich bringt.
Ebenfalls ausgeschlossen sind Versicherungsfälle aufgrund der Übertragung von Krankheiten (Ziffer 7.18 AHB). Auch das ist in unserem Berufszweig (auch wenn solche Fälle natürlich extrem selten sind) jedenfalls ungünstig.

Das zweite große Problem ist das von vielen Versicherern beanspruchte Prozessführungsrecht. Soll heißen: Entscheidet sich die Versicherung, einen Rechtsstreit für den Tätowierer zu übernehmen, wird sie (so nicht der Versicherungsvertrag etwas anderes wiedergibt) die „Herrin“ der Verfahrensführung – was vor allem damit einhergeht, dass sie auch den Anwalt bestimmt. Hier habe ich leider schon wirklich bittere Momente erlebt, in denen ich (potentiellen) Mandanten erklären musste, dass ich sie nicht vertreten kann, weil die Versicherung schon „ihren“ Anwalt beauftragt hatte. Das ist aus meiner Sicht dann doppelt frustrierend, wenn man – wie ich jüngst – von einem Mandanten gebeten wird, sich als weiterer Anwalt in so ein Verfahren „einzuschalten“, nachdem die von der Versicherung beauftragte Kollegin der gerichtlichen Bestellung einer Permanent-Makeup Expertin zur Sachverständigen für eine Tätowierung nicht entgegentrat. Diese erklärte mir dann in einem Telefonat, sie bräuchte keine Unterstützung eines Kollegen. Zwar habe sie selbst keine Tattoos aber dafür immerhin TV-Shows über Tätowierungen geguckt – und mit Haftpflichtprozessen kenne man sich ja auch aus, weil man schon viele Bauprozesse geführt habe. Insoweit: Achtet bitte darauf, dass Eure Versicherung eine freie Anwaltswahl erlaubt.

Einige Versicherungen, welche spezifisch für die Tattoobranche entwickelte Angebote im Portfolio haben, schließen die Kosten einer Laserbehandlung oder anderer kosmetischer Korrekturbehandlungen aus den zu ersetzenden Schäden aus. Ich brauche wohl nicht eigens zu erwähnen, dass solche Angebote nutzlos sind. Laserkosten sind in einem Haftpflichtprozess regelmäßig der dickste Batzen.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die Versicherungshäuser, die im vorgerichtlichen Bereich glauben, die Kuh schon selbst vom Eis zu bekommen und einfach ihre internen Schadensabwickler an die Sache dran setzen. Da wäre soweit noch nicht einmal etwas gegen einzuwenden, wenn diese sich nicht zuweilen schlichtweg weigerten, mit dem Anwalt des Tätowierers auch nur zu kommunizieren. So geschehen bei einer Versicherungsgesellschaft, die von einem Anbieter angeblich spezifischer Tattoo- und Piercingversicherungen besonders beworben wird: Hier wurde in einem Versicherungsfall weder auf Anrufe noch E-Mails meiner Person auch nur reagiert! Als ich dann mal nach einer Drohmail meinerseits den dortigen Sachbearbeiter an die Strippe bekam, meinte dieser, er bräuchte keine Unterstützung – er wisse schon, was er tue. Das spätere Regulierungsverhalten bewies das Gegenteil.

Ihr seht schon, ich nenne hier bewusste keine Versicherungsgesellschaft beim Namen und ich werde auch keine Empfehlungen abgeben. Mir ging es nur darum, auf Problembereiche aufmerksam zu machen, die sich mir in den vergangenen Jahren im Umgang mit Versicherungen gestellt haben und welche ich als Tätowierer bei der Wahl „meiner“ Versicherung vorab abklären würde. Manche davon sind leider bei allen mir bekannten Anbietern vorhanden.

Natürlich will ich niemandem generell von dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung abraten – die kann einem zuweilen den finanziellen Ar*** retten. Aber man sollte sich ihre Beschränkungen und die vorhandenen Deckungslücken jedenfalls vergegenwärtigen, wenn man sich auf der Suche nach einer solchen macht.

Just my 2 cents….

Hier findet Ihr den entsprechenden Orignalpost auf Facebook:

Und hier gelangt Ihr zur Website von Urban Slamal

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Gordon Lickefett

Gordon Lickefett

Gebürtig aus einem kleinen Dorf des schönen Spreewaldes lebe ich derzeit in Berlin und bin 34 Jahre alt. Ich bin Geschäftsführer bei Tattoosafe (www.tattoosafe.de), TattooSoul (www.tattoosoul.de), Gründungsmitglied des Bundesverbandes Tattoo e.V. und beschäftige mich mit viel Engagement, Herz und Seele mit allen Aspekten des Tattoomarktes. Wer weiteres wissen möchte, schreibt mich einfach an.

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